Führung durch die Traditionsrösterei August Münchhausen
von grau sucht grün

23.10.2017grau sucht grün war dabei:

Führung durch die Traditionsrösterei August Münchhausen

tuer

Heute berichten wir Ihnen über die Führung durch die Traditionsrösterei August Münchhausen, die alle vier Wochen stattfindet. Begrüßt wurden wir von August Münchhausens Enkelin Natalie Münchhausen-Prott, die die Rösterei bereits in dritter Generation mitführt. Mit den Worten »Es ist nicht groß, aber unser ganzer Stolz« eröffnete sie die Führung und nahm uns mit in den Verkaufsraum. Dort erfuhren wir alles über die Tradition des Hauses und den Werdegang von August Münchhausen:

alte tuete

1935 gründete August Münchhausen ein Versandgeschäft für Kaffee und Tee. Bald darauf kaufte er das Haus am Geeren 24 in der Bremer Innenstadt, wo die Traditionsrösterei bis heute besteht. Die Geschichte des Hauses und von August Münchhausen selbst wurden uns anschaulich beschrieben und mit kleinen Anekdoten ausgeschmückt. Echte Besonderheiten, wie beispielsweise die originalen Kaffeetüten von 1935 wurden von der Familie sorgfältig aufbewahrt und gezeigt. Der Dampfer auf der Rückseite der Tüten war ein Qualitätsmerkmal, dass es sich um echten Kaffee handelte und nicht um Kaffee-Ersatz, den es besonders während der Kriegszeiten zu kaufen gab.

kaffeesack

Durch den zweiten Weltkrieg wurde die Kaffee-Einfuhr gestoppt und auch August Münchhausen musste auf Kaffee-Ersatz ausweichen. Seine Röstanlage hatte er rechtzeitig ausgelagert, was sich als großes Glück erwies, denn kurz darauf wurde der gesamte Stadtteil zerstört. Anhand der zeitgemäßen Beispiele waren die Geschichten noch viel eindrucksvoller und wir haben sie viel lebendiger erleben können. Auf dem Weg in den hinteren Teil des Hauses kamen wir an zahlreichen Kaffeesäcken vorbei, die selbst heute von Menschenhand in die Lagerräume transportiert werden, weil es für Maschinen schlichtweg zu eng ist.

kaffeeprobe

Als wir unten ankamen, gab es drei verschiedene Kaffeesorten zu verkosten. Die unterschiedlichen Aromen der Kaffeesorten haben selbst die unerfahrenen Teilnehmer von uns sofort geschmeckt. Als die zweite Sorte eingeschenkt wurde, hörten wir von allen Seiten Kommentare wie »Oh, der riecht aber schon ganz anders als der Erste«. Es war spannend, die verschiedenen Aromen zu erriechen und zu erschmecken und es entstand eine rege Unterhaltung. Die Zunge sei ein »fauler Schmecker«, die Nase kann deutlich mehr Aromen erkennen, von daher solle man als erstes am Kaffee riechen anstatt ihn zu probieren. 

kaffeekirschen

Außerdem sei es von Vorteil, den Kaffee schwarz zu kosten ohne dass ein Filter verwendet wurde, denn dieser filtert die Fette heraus, die ja bekanntlich Geschmacksträger sind. Der dritte Kaffee, den wir kosteten, war die »Festtagsmischung« von August Münchhausen, die er in den 30-er Jahren auf den Markt brachte. Beim Probieren waren einige der Besucher der Meinung: »Ohja, der schmeckt wie bei mir zuhause«. Das liegt daran, dass es kein sortenreiner Kaffee ist, sondern eine Kaffeemischung, die aus sechs unterschiedlichen Sorten besteht. Er wird daher auch »Tafelkaffee« genannt, weil er so gut wie jedem schmeckt. Und wie August Münchhausen zu sagen pflegte: »Der geht durch jeden dünnen Hals.«

verschiedene stadien

Anschließend haben wir noch einiges über die verschiedenen Stadien von der Pflanze über die Ernte der Kaffeekirschen bis hin zum Rohkaffee erklärt bekommen. Das Motto des heutigen Großhandels ist: »Möglichst viel - für wenig Geld«. Die Traditionsrösterei Münchhausen hingegen legt Wert auf fairen Handel und biologisch angebauten Kaffee. Außerdem wird der Kaffee ausschließlich in Säcken geordert. In dieser sogenannten »Sackware« sind nur die besten Bohnen enthalten, denn sie sind alle handverlesen. Jede Kleinigkeit wird aussortiert, die das Aroma des Kaffees verderben könnte.

roestvorgang

Nach der Verkostung und der informativen Fragerunde wurden wir in den Raum geführt, wo der geruchsneutrale Rohkaffee geröstet wird. In der Röstmaschine wird der Kaffee quasi »im Flug« geröstet, denn an den heißen Außenwänden würde er viel zu schnell verbrennen. Im Gegensatz zu den anderen Röstereien, die ihre Bohnen um die zwei Minuten rösten, werden sie bei der Rösterei Münchhausen bei einer niedrigeren Gradzahl um die acht Minuten geröstet. Durch den schonenden Röstprozess ist der Kaffee wesentlich bekömmlicher.

verschiedene roeststadien

Die Kaffeerösterin hat uns die Arbeitsabläufe sehr gut erklärt und wir konnten den Kaffee in seinen verschiedenen Röststadien begutachten. Der steinharte Rohkaffee ist bis zu zehn Jahre an einem kühlen und trockenen Ort lagerfähig. Beim Rösten verdreifacht die Bohne ihr Volumen – und roch der Rohkaffee noch nach nichts, so entwickelte die Bohne bei jeder neuen Röststufe ein anderes Aroma. Der Zwischenschritt glich sogar etwas dem Geruch von Popcorn und als die Rösttrommel ein letztes Mal geöffnet wurde, durchströmte der typisch köstliche Kaffeeduft den Raum. 

kaffeedosen

Auf dem Weg zurück durch das Haus gab es noch viele Gegenstände zu bestaunen – von der alten Kaffeewaage bis zu Kaffeedosen, die von der Geschichte des Hauses erzählen. So spürten wir vom ersten bis zum letzten Moment das traditionelle Flair, das die Räumlichkeiten zu etwas ganz Besonderem macht, dass mit Liebe gearbeitet wird und die Tradition bewahrt werden soll. 

aussenansicht august muenchhausen

Wir finden: Eine tolle Geschichte, die dahinter steckt und denken, dass genau das der Mehrwert solch eines Unternehmens ist. Der Anspruch, Wert auf hervorragende, ökolologisch und ethisch vertretbare Ware zu legen, die mit Liebe und Wissen verarbeitet wird. Und dabei in dieser schnellen Zeit noch die Ruhe zu haben, am Tresen einen kleinen Plausch zu halten. Nicht umsonst hat die Rösterei eine Stammkundin seit 1966, die wohl niemals eine andere Kaffeemarke mehr kaufen wird. 

sticker

Alles in allem war die Führung ein tolles und lebendiges Erlebnis für alle Sinne, mit vielen Informationen über die Traditionsrösterei, das Haus und den Kaffee an sich. Alle Teilnehmer wurden mit einbezogen, konnten Fragen stellen und eigene Anekdoten mit einbringen, was jede Führung wohl immer wieder auf seine Weise besonders macht. Die Rösterei ist ein echtes Stück Bremer Geschichte und das wird durch die nachfolgenden Generationen genauso weitergeführt. »Wenn man erstmal mit Kaffee arbeitet, dann fängt man Feuer«, so seine Enkelin Natalie Münchhausen-Prott. 


Andrea Duensing von grau sucht grün

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Öffnungszeiten, Anschrift, eine Auswahl geführter Siegel und weitere Informationen zur Kaffeerösterei August Münchhausen finden Sie hier.