Das Prinzip Solidarische Landwirtschaft
von grau sucht grün

31.08.2020grau sucht grün berichtet:

Das Prinzip Solidarische Landwirtschaft

Schon mal vom Prinzip »Solidarische Landwirtschaft« gehört? Klingt ein wenig altbacken und kommunistisch angehaucht, ist aber in Wirklichkeit ein absolut umweltfreundliches und gemeinwohlorientiertes Konzept zur Produktion gesunder Lebensmittel. Verbraucher profitieren von dieser Art der Landwirtschaft genauso wie die Erzeuger, denn sie schließen sich zu einer Wirtschaftsgemeinschaft zusammen, die keinen Zwischenhändler – wie beispielsweise einen Supermarkt – benötigt. Konkret heißt das: Ein Bauernhof baut so viele Lebensmittel an wie Abnehmer zur Verfügung stehen und Verbraucher wissen genau, wie und wo ihre Lebensmittel produziert werden.

Jedes Mitglied der Solidarischen Landwirtschaft, kurz SoLaWi genannt, zahlt einen festen Monatsbeitrag. Dafür erhält jeder Teilnehmer wöchentlich eine Lieferung regionaler und saisonaler Bioprodukte, je nachdem, was auf dem Feld angebaut und produziert wird. Alle Verbraucher haben Mitspracherecht, was gepflanzt werden soll, können Ernteteile untereinander tauschen und sich selbst auf dem Hof mit einbringen. Entweder, indem sie bei der Ernte helfen oder in der Organisation und Mitgliederverwaltung unterstützen.

 

Höchste Lebensmittelqualität unter fairen Bedingungen

Der Biobauernhof hat im Gegenzug eine finanzielle Sicherheit, mit der er seinen Betrieb für einen bestimmten Zeitraum bewirtschaften kann – ganz unabhängig von den Entwicklungen am Markt und Umwelteinflüssen. Denn nicht nur die Preisdiktatur der Supermärkte schränkt Landwirte in ihrer landwirtschaftlichen Praxis ein. Aufgrund der klimatischen Veränderungen samt unvorhergesehener Hitzewellen und Schlechtwetterperioden fällt eine Ernte auch schon mal dürftiger aus. Eine andere Sorte sprießt dafür vielleicht umso besser, findet aber auf dem freien Markt keine Abnehmer wegen Überproduktion und wandert so in den Müll oder als Dünger auf den Acker. Schade um die wertvollen Lebensmittel. In der SoLaWi wird alles verwertet. In Zeiten, in denen weniger geerntet wird, werden dafür haltbare Lebensmittel wie Marmelade oder eingelegtes Gemüse an die Mitglieder verteilt. So ist nicht nur die Produktion planbar, sondern auch das Risiko, das alle gemeinsam tragen.

Ein Hof, der ganz frisch das Prinzip Solidarische Landwirtschaft für sich entdeckt hat, ist der Demeter Gärtnerhof Riede. Seit Anfang des Jahres engagieren sich hier verschiedenste Menschen unter dem Namen »Das grüne Zebra«, um hochwertige Bioprodukte zu beziehen und mit qualitätsbewussten Konsumenten zu teilen. Der SoLaWi-Name hat seinen Ursprung in einer Spezialität des Hofs: Hier werden ausgesprochen leckere Zebra-Tomaten angebaut. Die bunt gestreiften alten Sorten sind unheimlich süß und saftig. Kurzerhand haben die Gemeinschaftsmitglieder das schmackhafte Gemüse zum Markenzeichen erhoben. Gemeinsam säen, pflanzen und beackern sie nun die Felder und lernen gleichzeitig ökologisches Fachwissen rund um Biodiversität und Kultivierung vom Bauern.

 

Umweltbewusst genießen dank SoLaWi

Die Ernteteile wie Tomaten, Kartoffeln, Kräuter und Obst werden donnerstags an mehrere Verteilstellen in Bremen gefahren, wo alle Mitglieder der SoLaWi sie abholen können. In der Neustadt bietet der Unverpacktladen L’Epicerie Bio die Produkte vom Grünen Zebra an. Rechts der Weser kann das Gemüse entweder bei der Grünen Oase im Mädchen Kulturhaus oder im Biokiosk Lecker im Fedelhören abgeholt werden. Kioskbetreiberin Noreen ist so überzeugt von der Qualität, dass sie selbst Mitglied in der SoLaWi geworden ist. Auch grau-sucht-grün-Mitarbeiterin Katrin Zeise freut sich wöchentlich über die Gemüsevielfalt: »Erst war ich skeptisch, ob mein Mann und ich so eine große Gemüseration überhaupt verwerten können, aber es macht riesigen Spaß, neue Rezepte mit alten Gemüsesorten auszuprobieren. Ich hab mich noch nie so gesund und vielseitig ernährt.« Positiver Nebeneffekt: »Seitdem wir in der SoLaWi sind, gehen wir viel seltener im Supermarkt einkaufen. Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern verhindert auch den Kauf von Produkten, die man eigentlich nicht braucht, aber reflexartig in den Einkaufswagen legt.« So steigert die SoLaWi zusätzlich die Lebensqualität und schont die Haushaltskasse. Und weniger Plastikmüll wird auch eingekauft. Also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und die Umwelt. Denn Klimaschutz fängt auf dem Teller an.