Victors Tofu in Existenzangst
von grau sucht grün

11.06.2021grau sucht grün schnackt grün:

Victors Tofu in Existenzangst

In den 10 Jahren, die Grau sucht grün jetzt aktiv ist, haben wir hunderte engagierte Menschen kennengelernt, die ihre nachhaltige Lebensphilosophie in ein Unternehmenskonzept umgesetzt haben und dann einen großen Schritt gewagt haben: sich selbstständig zu machen.

Leider mussten viele ihren Traum wieder aufgeben und ihren Laden schließen. Darunter Brigitte Wilfling, die unter dem Namen »BriSon« Textilien aus gebrauchten Stoffen schneiderte sowie viele Boutiquen mit öko-fairer Mode: ilanas mode, Wolle + Mode im Viertel und gerade vor ein paar Tagen der Naturzwerg in Schwachhausen. Und »El Tumi« im Ostertor ist stark existenzbedroht.

Auch im Lebensmittelbereich traf es couragierte Menschen: Marcus Wewer von Holtorf, Falkos Faire Bohne und das Bio-Café »Onkel Kurt« in Fischerhude. Tatjana Rissmann beispielsweise führte das »Veganissimi«, wo sie mit Leidenschaft vegetarische Produkte verkaufte und ihre Kundinnen und Kunden gerne beriet. Sie musste 2015 ihr Geschäft dicht machen.

Um nur einige zu nennen …

Nun steht ein weiterer Laden vor dem Aus: Victor Thomas hat vor anderthalb Jahren die erste Tofu-Manufaktur in Bremen ins Leben gerufen, seine Produkte zunächst höchstpersönlich ausgeliefert und dann einen Laden in der City angemietet. Nun erreichte uns vor ein paar Tagen dieser Hilferuf:

 


 

»Statement«

Hallo liebe Follower*innen,

Hier sieht die Lage nicht besonders gut aus.
 
Die aktuelle Umsatz reicht langst nicht. Positive Entwicklungen sehe ich gerade nicht. Bald gibt es auch noch das Sommerloch.
 
Ich bin jetzt seit 6 Monaten hier am Wall. Seit 1,5 Jahr bin ich mit dem Tofu Projekt beschäftigt.
 
Ich habe alles aus Ersparnis finanziert. Ich habe kein Crowdfunding gemacht. Seit 1,5 Jahre gebe ich Geld aus und mach kein Gewinn. Jede Woche arbeite ich um die 60 Stunden.
 
Diese Woche biete ich 22 verschiedene Produkte an. Manche mit Soja, manche ohne. Manche sind teuer, manche sind günstig. Es gibt immer Neuigkeiten. Ich bin 3 Tage die Woche geöffnet. Der Laden ist zentral am Wall, neben der Stadtbibliothek, zwischen Mitte und Viertel. Wenn dass nicht gut erreichbar ist, weiß ich nicht. Es gibt Werbung nach Außen und nach Innen. Ich versuche auf Social Media aktiv zu sein.

Was muss ich noch machen so dass ich nicht hier stundenlang mit Existenzangst sitze?

Entweder verbessern sich schnell meine Zahlen oder ich muss größere Änderungen planen. Ich brauche keine Ausrede vor allem nicht über Corona oder dem Wetter. Es kaufen einfach zu wenige Menschen. Jetzt dass ich gejammert habe, möchte ich auch nicht dass plötzlich viel Menschen einmal kaufen. Ich brauche auf Dauer regelmäßige Abnehmer*innen.

Probier Sachen, stell Fragen, interessier dich für die Rohstoffe, Arbeit und Menschen hinter den Lebensmitteln.

Kauf meine Produkte bevor dass ich pleite bin.

Ich möchte die Menschen, die bereit meine Produkte beziehen, sehr stark danken!

Victor



Wir von Grau sucht grün wünschen Victor, dass sein Engagement belohnt wird und der Laden in Zukunft bestehen kann. Denn auch wir können diese Problematik besser als manch anderer nachvollziehen.

Insbesondere ich, Erwin Liauw, als Gründer und Betreiber frage mich oft, was ich tun muss, um Unterstützung seitens der Verbaucherinnen und Verbraucher zu bekommen, die Grau sucht grün seit 10 Jahren kostenlos nutzen können. Ein Teil der aufwändigen Arbeit wird über die Mitgliederbeiträge von einigen »grünen Anbietern« abgedeckt. Die restliche Zeit ist finanziell nicht abgedeckt.

Im neuen grünen Einkaufsführer steht im Vorwort folgender Text:

Damit jeder in möglichst vielen Bereichen nachhaltig leben kann, ist es unser Ziel, eine breite Palette an grünen Alternativen aufzuzeigen - und das kostenlos. Für den Einkauf, in der Freizeit, bei der Vermeidung von Müll usw. Und um dieses aufwendige Projekt auch in Zukunft fortführen zu können, sind wir allen Nutzer:innen für Hilfe dankbar. Sei es bei der Unterstützung unserer vielfältigen Arbeit, beispielsweise im Bereich Social-Media, finanzieller Art oder für Tipps zu grünen Anbietern, die (noch) nicht bei uns gelistet sind.
(Kontakt: kontakt@grau-sucht-gruen.de oder 0173-6116707)

Die Reaktion bislang ist: Null

 

 

In diesem Sinne suchen wir den Schulterschluss mit Victor und verweisen auf einige Eckdaten zu seinem Geschäft:

»Victors Tofu« ist die erste Tofu-Manufaktur in Bremen. In fünf Partnerläden und bei Victor am Wall sind per Vorbestellung zum Beispiel verschiedene Tofusorten und Tempehs erhältlich.

Wöchentlich werden mehrere Sorten (natur und gewürzt) frisch gekocht.

Wo gibt es Victors Tofu?

Mitte: »Victors Tofu« | Am Wall 201 | Do 15 – 19 | Fr 11 – 19 | Sa 11 – 15

Neustadt: »L'Epicerie Bio« | Bis montags persönlich, telefonisch oder online vorbestellen. Ab donnerstags 11 Uhr abholen.

Neustadt: »Füllkorn« | Bis montags vor Ort oder telefonisch vorbestellen. Ab donnerstags 11 Uhr abholen.

Findorff: »die Füllerei Findorff« | Bis montags vorbestellen und vor Ort vorzahlen. Ab donnerstags 11 Uhr abholen.

Hulsberg: »UP'N BARG« | Bis montags Vorbestellung vor Ort möglich aber nicht zwingend. Ab donnerstags 11 Uhr abholen.

Bremerhaven: Vorbestellung über Victors Tofu und Pick-Up bei Nem2Go auf dem Geestemünder Wochenmarkt samstags von 7 – 13 Uhr


Weitere Informationen: victors.tofu@posteo.de

und auf facebook: VictorsTofuBremen